Nach dieser Aufführung möchte ich das vielgespielte Schauspiel kaum noch als solches sehen, die Puppen, beachtlich gespielt, waren einfach zu überzeugend. Und nie hatte man das Gefühl, hier würden 2 Größen imitiert im Versuch, sich hinter der Parodie eigentlich doch auch etwas in deren Abglanz zu sonnen.

Die Riefenstahl steigt nachts in Paris bei der Dietrich ins Fenster – „Seid ihr schon wieder einmarschiert?“ fragt die Diva – um sie zu einem Film zu überreden. Es ist Marlenes verwahrlostes Appartement, wo sie – real – ihre letzten Jahre in selbstgewählter Isolationshaft verbrachte. Beide sind um die 90.

Stück und erst recht Inszenierung sparen bis zu Marlenes stinkendem Pisstopf nichts aus und spielen lustvoll mit der Nähe der Peinlichkeitsgrenze: Hier agieren äußerst menschlich zwei uralte Legenden, das Stück variiert spielerisch die bekannten Fakten.

Die Gegenspielerinnen als Puppen erscheinen als steinalte Gespenster und erlauben Grenzgänge, lassen das Ernste zwar durchscheinen, aber mildern provokante Fragen, wie die, ob beide nicht eher durch Umstände zu „Ami-Hure“ und „Nazi-Nutte“ wurden.. Die offen agierenden Aktricen liehen den großen Puppen, Dietrich im schwarzen Unterrock, Riefenstahl mit Rucksack als Körper, ihre schwarzbestrumpften jugendlichen Beine – das stellte einen reizvollen Kontrast her und zeigte gewissermaßen die Erinnerung an bessere Tage auch im Körper der zwei Greisinnen deutlicher und interessanter als die etwas zu häufigen Ausstiege der Spielerinnen aus der Puppenebene, die dann die beiden selbst die Diven spielten. Manchmal machte aber auch das Sinn.

Margit Hallmann als Leni benutzt überzeugend die stramme Einschichtigkeit der Unveränderlichen, Uneinsichtigen, um dann doch ihre etwas andere, weiche Seite dagegenzustellen. Susanne Søgaard im dankbareren Part der Marlene setzt den Drang zu Glamour und dessen gleichzeitiger Verachtung vor allem in wunderbar trocken hingeworfenen Bemerkungen um.

Als sie gegen Ende mal selbst als Marlene die berühmte Filmszene nachspielt, wo sie eine Frau küßt, versteht man zwar, was mit dem Zitat gemeint ist, ein Hauch von unnötiger Imitation bleibt aber doch. Vor allem kommts hier zur Fast-Vergewaltigung von Leni durch Marlene, das wäre mit den Puppen vielleicht noch übersteigerter gewesen.

Gut schaugespielt dagegen die Begegnung Lenis mit Goehring, Hallmann zwischen beiden Rollen springend, grandios sogar das Pendant, Søgaard als Marlene begegnet Hitler – eine Handpuppe in ihrer Hand. Das ganze wird zur typischen Marlene-Filmszene, wo sie irgendwie vor dem Mann auch schmachtet und er formvollendet Handkuß gibt, bevor er ihr ihre Erschießung mitteilt.

Man fagt sich, warum man erst 10 Jahre nach der Uraufführung auf die so überzeugende Idee kam, dieses Stück mit Puppen zu spielen. Glückwunsch dem Magdeburger Puppentheater, dem Regisseur Frank A. Engel und allen Beteiligten.