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5.12.11
Mit Thermoskanne in der Hand kommt ein anfänglich leicht verhuschter Mann auf die Szene – später wird er geradezu exzentrisch. Jetzt führt er das Publikum etwas skurril zu Wagner und älteren Schallplatten, legt dann eine auf. Mit meist winzigen Plastikfigürchen, 2 Kaufhaus-Zwergenmasken von Disney sowie Dias wie aus dem Familienalbum erzählt er den bekanntlich recht komplizierten Ablauf vom „Ring des Nibelungen“. Opern zu verlustigen ist bei einem bestimmten (Opern?-)Publikum beliebt, auch hier amüsiert sich mancher wie Bolle. Wotans Allmachtphantasien als die heimlichen Träume des Mannes, der im Leben wohl eher am Rande steht, zu deuten, das deutet sich an, verliert sich dann aber. Dafür ist er später wesentlich klarer ein pubertär-infantil-trotziger 12jähriger Siegfried, und dessen Drachenkampf und Heldenkarriere halb Wunschdenken, halb unerwartete Überraschung.
Der Drachen als Spielzeugsaurier – ein Lacher. Kurz darauf aber wähnt man das Untier riesig hinterm Vorhang, wenn Rotlicht, Nebel und Wagnerklänge nebst Sigi mit erhobenem Schwert uns das suggerieren.
Nicht allzu ergiebig wird die Rheingold/Walküre-Vorgeschichte des Helden erzählt, denn zwar wird Wotans Machtergreifung mittels Verträgen deutlich, die ihn, kaum geschlossen, in allerlei Abhängigkeiten und Zwänge führen, aber leider nicht die letzten Konsequenzen bei seinem „Wunsch-Enkel“ Siegfried, der, eben nicht vertragsgebunden, tun könnte, was Wotan erhofft, der aber an seiner Naivität scheitert. Diese tragische Dimension leuchtete durch eine gewisse castorfsche Lächerlichkeit kaum hindurch, in die das Stück latent getaucht war – aber vielleicht gings der Regisseurin auch mehr um die Götterdämmerung als Weltenbrand, da brannte die ganze Schaubude, jedenfalls in der Phantasie.
Leider war der Schauspieler als Puppenspieler angekündigt worden, Puppenspiel oder Materialanimation gabs nicht, fehlte in diesem Konzept auch nicht unbedingt. Frage nur, warum dann in der Schaubude? Das wäre wie von mir schon oft gesagt und geschrieben zu diskutieren – aber vielleicht nicht hier.
Lassen wir es bei der Aufführung an sich, ohne den Kontext des Ortes. Sie hat durchaus amüsiert, der Akteur trug den Abend so wie er war weitgehend souverän, Einer der stärksten Eindrücke war für mich ganz einfach der Plattenspieler – später gabs auch Einspielungen über die Tonanlage. Aber dieser sich sichtbar drehende Plattenteller, das leichte Rauschen und Knacksen, das erweist sich heutiger CD-Hörgewohnheit gegenüber schon wieder als etwas, was lange nur durch das gute alte Grammophon entstand. Bekannt und doch schon fremd. Und deshalb durchaus bühnentauglich.
Starker Beifall.


