30 Jahre Theater Grashüpfer – an dieser Stelle auch Glückwunsch vom GENERALANZEIGER. Viele kamen, um zu gratulieren, Freunde des Theaters, frühere Mitstreiter, sogar die ehemalige Treptow-Köpenicker Kulturchefin Madame Thyrolf war da, und und und... und manche sahen sich nach Jahrzehnten wieder.

Nachdem zum Jubiläum gegessen und getrunken war, wurde in den Saal gebeten. Ein Freund des Hauses gab amüsante Lieder zur Gitarre. Die langjährige Weggefährtin Ute Kahmann hielt eine sehr ausführliche Laudatio, eigenen Werdegang und den von Grashüpfer-Chefin Sigrid Schubert verknüpfend und brachte das Kunststück fertig, dabei keinen Moment zu langweilen.

Dann ließ Puppenspielerin Kristiane Balsevicius eine Puppe aus dem Grashüpfer-Nähkästchen plaudern – großes Gelächter – und der Baby-Enkel wurde zum Puppenspielerschicksal verdonnert wie Mutter und Oma. Und dann gabs unvorbereitet auch noch ein kleines Gedicht.

Zum Geburtstag hatte sich das Theater die Wiederholung eines Gastspiels vom vorigen Jahr anläßlich eines kleinen Puppen-und-NS-Zeit-Festivals gewünscht. Das fand dann vor bestens besuchtem Hause statt.


In „Engel mit nur einem Flügel“ erlebt der jüdische Junge Robert Goldstein die Nazi-Zeit. Das Stück wurde mehrfach ausgezeichnet, richtet sich an Kinder und Jugendliche und zeigt ihnen wichtige Elemente dieser Zeit, wie die Pflicht für Juden, den Judenstern zu tragen. Es ist eine wahre Geschichte – und die Realität ist ja bekanntlich nicht immer typisch. So wird Robert gerettet, entgeht einem KZ-Transport, wird von französischen Bauern versteckt und erlebt den Rest der Nazizeit relativ unbehelligt und trifft nach dem Krieg seinen Vater wieder. Hier haben wir es wieder mal, das „richtige Leben im falschen“ . Das Grauen wird angedeutet, denn die Familie, so erfährt man, ist teilweise umgekommen. Aber es ist alles in allem keine düstere Geschichte, was so für Kinder vielleicht richtig ist (Text: Franz Josef Fendt und Ralf Kiekhöfer, Regie: Franz Josef Fendt)

Mit sehr wenigen, ausgesuchten Requisiten auf einem kleinen Podest werden die jeweiligen Orte meist prägnant angedeutet. Der in der Gegenwart entsprechend gealterte Robert Goldstein, der seine Geschichte erzählen soll, ist leider nicht da, da muß der Techniker - Ralf Kiekhöfer, präsent und sympathisch – einspringen. Diese Ersatzmann-Rolle vermeidet auf glückliche Weise, den „authentischen“ Herrn Goldstein vortäuschen zu müssen, verliert sich aber ein bißchen schnell,. Andererseits waren mir die verschiedenen Personen, denen der junge Robert begegnete, schauspielerisch ein wenig zu dezent angedeutet, was vielleicht auf Kiekhöfers Rolle als Einspringer verweisen sollte – aber dann hätte er dafür immer mal wieder deutliche Zeichen setzen müssen, mal ins Textbuch schauen o.ä.

Die Hauptrollen spielte er mit großen Klappmaulköpfen in weichen Formen (Ulrike Speckmann, auch Dramaturgie) und genauen Sprechbewegungen; allerdings verschwamm im ansonsten abwechslungsreichen und bewegenden Geschehen manchmal Puppen- und Menschensprache, zumal er an diesem Tag stimmlich indisponiert war,

So still wie vor den Erwachsenen ist es bei den jungen Zuschauern nicht, sagte Ralf Kiekhöfer, und das strahlt natürlich auch auf die Aufführung selbst zurück.

Dennoch: Langer herzlicher Beifall.