17b) Oder wer kann „Faust“ gültig inszenieren - weiß aber auch über Details des Puppenspiels Bescheid und kann sie aus der Position des Puppenspielers vermitteln, bis zu technischen Fragen? („Wenn Waschinsky sagt, der Faden muß da hin, dann muß er da hin!“ Günther Weinhold, führender Marionettenbauer).
Auch der unbestritten profilierte Regisseur und mittlerweile Professor Markus Jost kann das als Nicht-Puppenspieler wohl nur bedingt liefern.
Und von Erfahreneren lernen? Nicht in dieser Parallelwelt!
Ich selber war durchaus mit anderen Einflüssen konfrontiert – als langjähriger Reisender in Sachen Puppenspiel, aber auch mit jungen wie großen Theaterregisseuren wie Adolf Dresen oder Christoph Schroth, bei denen ich spielte. Ich hatte als professeur in Frankreich u.a. mit Claire Heggens Bewegungslehre für Puppenspieler Kontakt. Und nicht zuletzt: Mit dem ganz eigenen Theaterkonzept der Engländer Crouch, McDermott & Co., die für SHOCKHEADED PETER am Hamburger Schauspielhaus mit allen Schau- und Puppenspielern zunächst einen langen Kurs ihrer sehr eigenen, zur deutschen ziemlich konträren Methodik abhielten.
Jochen Menzel kochte dagegen lange eher im eigenen – zugegeben durchaus kräftigen – Saft.
Und wenn zeitweise der Gesamtkunstwerker Frank Soehnle Hauptakzente setzte, dann scheint mir, daß hier einfach ein anderes „Parallel-Universum“ berührungs- und damit konfliktfrei neben Menzels her etabliert wird. Es wirkt, als hätte die „Ernst-Busch“-Methodik ausgedient, seien ihr keine neuen Impulse abzugewinnen. Was mit Sicherheit anders wäre, hätte man sie mal wirklich über längere Zeiträume aufs Puppenspiel angewendet.
Pluralismus im guten Sinne sieht anders aus.


