Ginge es ums Thalia in Hamburg, wärs eine Tsunami auslösende Spitzenmeldung. Es geht aber "nur" ums - und jetzt sind wir mal ganz genau in der Definition - ums einzige staatliche Kinder- und Jugend-Schauspieltheater des Landes Sachsen-Anhalt.

Dennoch: Die Protestwelle rollt!

Interessant in der Petition, wie eine städtische Verwaltung & Politik (wer kann das noch auseinanderhalten?) offensichtlich Rettungsmöglichkeiten verschleppt.

LESEN UND ZEICHNEN SIE BITTE DIE PETITION!

 

Theaterschließung
(Hinweis an alle blutigen Computer-Amateure wie mich: Falls der Link nicht funktioniert, kopieren Sie ihn einfach ins oberste Fenster dieser Seite, also da, wo jetzt www.generalanzeiger-waschinsky.de usw. steht - selbiges vorher löschen)

Kommentar:

Was ist der Skandal? Das scheint einfach: An Kindern und Jugendlichen darf nicht gespart werden - und trotzdem passierts immer wieder, bekannt.
Leider bleibt damit immer ein Punkt offen: Daß man Kindertheater auch in anderer Struktur machen kann, die meist finanziell günstiger ist.
Ich erinnere mich an die Zeit unmittelbar nach der Wende: Die in vielem verkrustete DDR-Theater-Struktur schrie nach Öffnung, Flexibilisierung - und dazu gehörte vereinfacht gesagt auch Off-, Projekt-, freies Theater.
Beispiel Berlins Staatspuppentheater - bis dahin Zentrale für langweiliges Puppenspiel und Fernhaltung frischen Windes. Wirkliche Reformation schaffte es nach der Wende von sich aus nicht und es gab lange Diskussionen unter Anwesenheit einer Senatsverteterin - sie selbst vermutlich auch nur Opfer.
Denn am Ende stand schlicht: Streichung aller (ALLER!) finanziellen Mittel !!! Aus den Vorschlägen - auch ich schrieb einen Konzeptentwurf - hatte sich der damalige Abschaum der Berliner (Kultur-) Politik nur das Passende ausgesucht, offensichtlich auf die Stammtischeinschätzung von Puppenspiel als "Kinder-Trallala" vertrauend.
Beherztes Eingreifen u.a. von Frau Esser vom Kultur-Senat beließ es dann bei der Streichung von "nur" zwei Dritteln - übrig blieb, was an jedem "richtigen" Theater (wo die Budgets kräftig aufgestockt wurden) nicht mal zur Finanzierung der Abwicklung gereicht hätte.

In diesem Hause ist mittlerweile die SCHAUBUDE untergebracht, strukturell ein Projekt-Theater. Das sieht so aus: Vor einiger Zeit durfte ich trotz quasi Auftrittsverbot - letztlich Ergebnis meines Engagements für das Metier, aber das ist ein anderes Thema - dort zu einem Jubiläum doch mal spielen. An drei Tagen spielten wir 6 Programme, die ausgezahlten Einnahmeanteile betrugen 750 €. Das war die gesamte Gage für 6 Mitwirkende. Für 3 Tage. Am einzigen quasi staatlichen Berliner Theater für Puppenspiel.
Zum Vergleich - als Ossi fällts mir leichter, offen über Geld zu reden - am Hamburger Schauspielhaus kriegte ich kurz vorher alleine pro Abend 600,-€.

Sicher etwas extrem. Aber: In Halle als Ausgleich oder Trost ein Kindertheater als mehr oder weniger freies Theater einzurichten, hieße in der gegenwärtigen Lage, daß selbiges vor allem mit einem beschäftigt wäre: Dem dauernden Kampf ums Geld. Das eigentliche Theater macht man nebenbei.
Und: In der alles in allem konservativen Athmosphäre wären die Bezüge für dieses Theater jederzeit und beliebig zu kürzen, die Kulturpolitik müßte sich nicht einmal legitimieren, sondern könnte immer nur auf Sparzwänge verweisen. Oder einfach schweigend handeln und streichen. Wohingegen sie, ob gern oder ungern, ein staatliches Kinder-Theater finanzieren muß, solange sie nichts anderes durchsetzt.

Im Grunde ist es ja die gleiche Kulturpolitik, die meist inkompetent Intendantenposten an Theatern so vergibt, daß z.B. das Puppentheater derart extremen Verwerfungen ausgesetzt ist wie jetzt, und ein Filz von zumeist wenig integren Figuren intrigierend die Szene beherrscht.
Das war jetzt aber kein Wink mit dem Zaunpfahl Richtung Thalia - von den Verhältnissen dort weiß ich nichts, es ist ja mit SCHAUSPIEL-Kindertheater auch nicht mein Fach.
Nochmal allgemein betrachtet: Ich wäre jedenfalls froh, wenn wir nicht andauernd überm Retten von Kultureinrichtungen vorerst über gewisse Probleme schweigen müßten, um das Ziel nicht in Gefahr zu bringen - die Erhaltung. Als Feuerwehr rettet man eben oft zähneknirschend auch das mit, was man eigentlich gern brennen sähe...

Natürlich habe ich die Petition unterschrieben. Nachdem ich darin gelesen habe, wie in den Wirren von Halles Politik und Verwaltung Problemlösungen offensichtlich lange verschleppt wurden. In Hoffnung auf eine "natürliche Lösung"? Eine mir vom Berliner Behörden- und Politikdschungel nur allzu bekannte Taktik.