Tragikomödie in Friedrichshagener Neoklassizismus

Überdimensionierte Neubauten stören das historische, denkmalgeschützte Umfeld, bringen Rendite - jetzt aber erstmal Ärger. Meinungen, Hintergründe und Details: http://www.friedrichshagen.net/interaktiv/neubau-forum.html

 

  1. Akt – Illyrien

 

Tief im Dunkel märkscher Kiefernwälder,

hinter der Weltstadt,

da findet Welt statt,

fließen Spreegewässer sowie Fördergelder,

drum wohnt hier nicht nur, wer reichlich Geld hat.

 

Denn EU und Staat – hier webt Historie -

schützen das Örtchen,

das Zuckertörtchen.

Auch Bewohner ohne jed' Brimborie

reden nicht nur mit ein kleines Wörtchen,

 

nein, ergriffen Hacke, Farbe, Spachtel,

seltner zu Plaste,

und zum Palaste

für die Seinen wurd' manch alte Schachtel.

Ämter wachten, daß auch alles paßte.

 

Rings Historie, das macht jeden Meter

Boden zu Golde

und deshalb wollte

ein Trupp Häuslebauer darauf später

baun ein Häuslein neu, doch nett und holde.

 

Und wie's Paragrafen wollen, Pläne

zeigten sie züchtig,

zwar etwas flüchtig,

den Nachbarn, zu vermeiden böse Szene.

Und – das Amt erlaubt's – schon baut man tüchtig.

 

Doch die Nachbarn, nicht nur, weil bald Risse

in ihren Wänden

diese verschänden,

meinten – andre schlossen an – man müsse

anders bauen und vorerst beenden.

 

Denn das Häuslein klein, was angekündet

wirkte gar sehr

wie Albert Speer,

von der Größe, und auch sonst verbindet

wenig mit den Häuschen ringsumher.

 

Ja, man machte wie dereinst in Knossos

- Wald, Fluß und See

ganz in der Näh' -

schon das Gartenhäuschen zum Kolossos,

daß das kleine Grundstück viele seh,

 

die da wohnen dürfen, nicht nur eine Kaste.

Ringsum in Glorie

nichts als Historie

macht den Kasten zum Sozialpalaste.

Wohnst im Kasten? Rings Ambiente haste!

 

Das Ambiente liegt nun zwar im Schatten.

Nachbarn bedränget,

weil eingeenget,

die dem Amte längst geschrieben hatten,

fanden, daß die Antwort reichlich länget.

 

Doch das Amt denkt stets an Volkes Wohl da.

„Meist kommt alleine

alles ins Reine“,

dachte schon der gute Vater Kohl ja.

Weiter auch noch: „Jedem hier das Seine!“

 

Für die Häuslebauer die Renditte.

Weil sie was leisten.

Und für die meisten,

daß verschwand in ihrer Häuser Mitte

eine Lücke. Das soll sie begeisten!

 

Und den Nachbarn bleibt von der Historie

ein netter Posten

von Anwaltskosten.

Daß sie schwelgen können in Memorie:

Nein, nicht Billigland ist mehr der Osten!

 

2. Akt – Fauna

 

Auf dem Grundstück wohnt ein Fuchs und lernte,

wie sie es machten,

schlau es bedachten,

sie, die Häuslebauer. Und die Ernte

wollt' er teilen nun wie sie beim Schlachten.

 

Fuchs, hast du die Gans gestohlen heute?

Nein ein Karnick.

Biß das Genick.

Nahm sich Wanst und Keulen - für die Leute

ließ großzügig er den Kopf zurück.

 

„Huch!“ sprach ein sensibler Häuslebauer,

„Welch ein Skandal!

Gar nicht banal!

Böse Nachbarn, ach mir läuft ein Schauer,

legen Zeichen, zu verbreiten Qual!“

 

„Köpfe, abgehackt ! Zum Haßgetöse

reißt man den Schnabel!

Und hackt gar Kabel!“,

ich in 'ner Berliner Zeitung lese.

"Ach, wie sind die Leute dort so beese!"

 

Zwar hat man von haßerfülltem Mob

nichts je gehört hier.

Kabel, zerstört hier?

Auf dem Bau läufts manchmal ziemlich grob.

Oder kam wer nachts zum bösen Job?

 

War's wie kürzlich da im Friedrichshaine?

Wo frei von schalen

Dauer-Randalen,

hundert protestierten friedlich. Steine

warfen sinnlos nur ein paar Vandalen.

 

So wie die Chaoten sind ein Glückel

für das Interesse

nicht nur der Presse,

sind's zerhackte Kabel an der Müggel:

Drüber wird der Großbau Petitesse.

 

Und die Obrigkeit auf die man bauet?

Sie läßt geschehen.

Muß erst mal sehen,

weil sie ganz allein darauf vertrauet,

was die Zeit auf Dauer läßt bestehen.

 

Manchen Bauherrn faßt von Kopf bis Waden

schon heißes Sehnen

nach großen Plänen.

Monumente reifen in Schubladen,

man kann's leider laut noch nicht erwähnen.

 

Doch ist ein solch Klotz erst mal errichtet,

schaffens bald weit're,

größ're und breit're,

weil man schnell Gesetzeslücken sichtet,

daß der Bau am Amts-Einspruch nicht scheit're.

 

LETZTER Akt – Futuristische Visionen

 

Tief im Dunkel märkscher Kiefernwälder,

hinter der Weltstadt,

da findet Welt statt,

Wasser fließt und unterirdisch Gelder,

wohnt, wer Glück gehabt auf dieser Welt hat.

 

Auch bei mir ist manches nicht beim Alten,

Garten gelichtet

und was errichtet

und ich lasse schalten sowie walten.

Stumm längst jeder Schrei: „Hier wird vernichtet!“

 

Kommt wer und er sucht wen, sag ich „Glaube

nicht, daß wir'n hätten

an dieser Stätten.

Fragt mal hinten in der Gartenlaube!“

Die hat 10 Stock und nennt sich Klein Mänhätten.