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Großmutter, warum... der Berliner Witz 89
Feature auf Deutschlandradio von Hans Otto Reintsch – jederzeit hörbar im Netz (ob immer noch, wer weiß...):
www.podcast.de (22.09.2009) oder www.dradio.de
hier mal versuchen: http://www.podcast.de/episode/1365996/Gro%C3%9Fmutter%2C_warum_hast_du_so_gro%C3%9Fe_Z%C3%A4hne%3F
Ein Mann geht über die Straße, eine Papprolle unter dem Arm. Er geht zur Demo. Unrasiert, Kullerwaden, Seppelhose. Er macht ein paar Umwege, geht den Polizisten aus dem Weg.
Peter Waschinsky: "Man macht sich ja heute nicht mehr klar, dass am Morgen dieses Tages völlig unklar war, wie das ausgehen würde..."
(…) Am Abend wird die Welt nicht mehr die selbe sein. Und der Mann berühmt. Jetzt aber drängt er sich vor an die Tribüne. Einer von 500.000 im Transparentenmeer. Christa Wolf redet, Stefan Heym... Günter Schabowski, SED-Politbüromitglied, ergreift gerade das Wort. Jetzt hält Waschinsky es hoch, das Transparent. Zwei Hände im Gruß, das ewige Parteiabzeichen. Darunter ein läppisches Wort. Fett, rot, unterstrichen: TSCHÜß.
Peter Waschinsky: "Das Volk tobte auf und ich wurde in diesem Moment zu Tode fotografiert."
(…) Hätten die "Zirkel Schreibender Arbeiter" einen Wettbewerb ausgerufen, Waschinsky hätte am diesem Tag den Autorenpreis gewonnen. Für ein Wort. Für das originellste Plakat. Den besten Witz. "Weil jeder gute Witz einen dunklen Hintergrund braucht, um mehr zu sein, als ein banaler Scherz" - hätte es in der Laudatio heißen müssen. Und wenn Berliner Witz Herzenssache sein soll, muss er an die Nieren gehen. Ans Eingemachte. Dabei war am Morgen des 4. November die Verabschiedung der Einheitspartei - Tschüß! - noch kein Gedanke, den die Massen wirklich zu denken wagten...
(Joachim / Hamster Damm wurde im Manuskript der Sendung noch als Schöpfer des ebenfalls berühmt gewordenen "Großmutter, warum...?"-Plakates genannt, im Feature taucht das Plakat dann dann leider nur noch im Titel auf)


