Blumen und Tomaten

Blumen und Tomaten

INVASION

INVASION

 

"GROSSER BRUDER" BEENDET MOBBING UND BEFREIT LYNCHOPFER

 

Hat man die richtigen Ziele, ist alles erlaubt. Ansonsten muß man nur das Richtige oft genug sagen - bzw. eben  n i c h t  - dann ist es wahr. So wie hier.

Anzeichen gab es schon lange, aber nun ist es passiert. Um Hilfe rief eine Minderheit, die sich genetisch der Majorität des „großen Bruders“ nebenan zugehörig fühlt. Lassen zumindest Nachrichten von ihrer schlimmen Situation bis zu Lynchaktionen im quasi Lager des Feindes vermuten. Nun aber nahte Rettung. 

Wovon spreche ich? Von gewissen politischen Vorgängen im Osten Europas? Von Angehörigen des größeren Volkes, die aber im kleineren Land leben  und denen jetzt das größere Land zu Hilfe...

Aber nein, ich verstehe gar nicht, wie man gerade darauf kommen kannn. Ich spreche von einigen Studenten der Abteilung Puppenspiel der Hochschule „Ernst Busch“ – deren voller ehrfurchtgebietender Name würde hier den Platz sprengen – und sie studieren wie ihre Abteilungs-Kommilitonen Puppenspiel. Offiziell. Aber eigentlich wollen sie richtiges Theater machen, wie jeder Vernünftige. Sie fühlen sich hier gewissermaßen als Vertreter des „großen Bruders“ Schauspielabteilung. Wo sie sich einst bewarben, aber nicht genommen, sondern „umorientiert“ wurden: Auf Puppenspiel, wo es an Bewerbern mangelte.

Umorientierungsversuche gab es ja auch von Homo- zu Heterosexualität – in Deutschland inzwischen verboten. Schade, denn auf jeden Fall ist das ein interessantes Vorbild für die Schau- zu Puppenspiel-Aktion. Die füllte die Puppenspielklassen und brachte damit eins: Den Erhalt der Puppenspiel-Professuren.

Schon seit langem aber kamen von diesen Studenten, bedauernswerten Gefangenen im falschen Körper, also in der falschen Abteilung und dort gemobbt, kamen also Signale: Befreit uns! Berichte über Exzesse wurden bekannt, ein schauspielwilliger Puppenspielstudent soll gekreuzigt worden sein, nur weil er Schauspieler werden wollte. Aber auch wenn sich herausstellte, das Mobbing verlief eher in der Gegenrichtung und ans Kreuz gehängt wurde nur eine Marionette, also mit Fäden an ihr Spielkreuz, schrieen die Verhältnisse nach gewaltsamer Lösung. 

Gelegentlich wurde darauf verwiesen: Das Urtheater war Schauspiel, erst später kam Puppen... Das stimmt so nicht? Aber Puppenspiel ist gar kein eigenes Genre... stimmt auch nicht? Egal.

Reden würde nichts bringen, dachte man sich und ließ es von vornherein.

Und so wurde die Abteilung Puppenspiel nun in einer Nacht von der zu Hilfe eilenden größeren Schauspielabteilung besetzt. Geplant ist Angleichung. Begrüßt auch von einigen Dozenten der Puppenabteilung, Eine Professorin, bekannt als trendy Regisseurin von Schauspiel mit bestenfalls wenigen Puppenspieleinlagen – wie seit Jahrzehnten im Schauspiel Mode – hatte einst das Puppentheater Wismar radikal, unter Konzept und Devise „Welttheater!“, zur Schauspielbühne gemacht. Daß das Theater danach weder Puppen-, noch Schauspieltheater, sondern überhaupt nicht mehr da war, konnte unter „Scheitern als Chance“ als Erfolg verbucht werden, jedenfalls als künstlerisch wertvolle Performance. Und so wurde sie Ernst-Busch-Puppenspiel-Professorin, sie paßte einfach ins Dozententeam, rein menschlich. Und wie erwartet, hat sie im richtigen Moment, wenn es nötig war, immer mit großer Konsequenz geschwiegen.

Auch der Abteilungsleiter, eigentlich Schauspielregisseur, geht nun wohl zurück zu seinen Wurzeln. Letztes Jahr hatte er mutig das Szenenstudium Marionette von Ahnungslosen geben lassen, lediglich als Kreativübung und um zu signalisieren: Puppenspiel kann jeder – wozu eine Ausbildung?

Die bisherige Abteilung Puppenspiel heißt nun „Schauspiel II“. Damit wäre die völlig deplazierte Idee vom Tisch, das gesamte Haus sollte endlich von Schauspiel- zu Theater-Hochschule umbenannt werden, weil nicht nur Schauspieler ausgebildet wurden. Aber das ist nun vorbei und die ehemalige Puppenspielabteilung erfüllt zu ihrem 50. Jubiläum doch noch einen vernünftigen Zweck.

Für die konsequente äst-ethnische Säuberung des Hauses muß nun nur noch die Abteilung Tanz und Choreografie zu „Schauspiel III“ werden – sicher kein Problem.

PS: Soeben wurde bekannt, dass anders als erwartet die gut dotierten Stellen der bisherigen Puppenspiel-Dozenten – ihre Freude wandelte sich gerade in Schock bis Herz-Kasper (!) –  ausschließlich neu besetzt werden. Von wirklichen Schauspielprofis, die in der Abteilung „Schauspiel I“ auf der Warteliste stehen, weil sie als Schauspieler nirgendwo unterkommen. Nun  versprechen sie sich eine Zukunft : Als Ausbilder weiterer Schauspieler.