Blumen und Tomaten

Blumen und Tomaten

MAI 2026

In der SCHAUBUDE
(die ich nur ausnahmsweise wieder besuchte)
22. Mai 2026

 

24  BILDER/SEKUNDE

 

Beschreibt als Titel das Trickfilm-Prinzip: 24 Bilder müssen in der Sekunde aufgenommen werden, jedes etwas anders, sodaß der Eindruck von Bewegung entsteht. Die erste, die das abendfüllend vorführte, war vor 100 Jahren in Berlin Lotte Reiniger mit »Die Abenteuer des Prinzen Achmed« - zumindest ist es der erste erhaltene Animations-Langfilm.
Grimme-Preisträgerin Katrin Rothe, höchst erfolgreiche Filmerin mit einem eigenen Stil, der der Technik Reinigers nahekommt, nämlich flache oder halbplastische Pappfiguren in Stop-Motion zu animieren, scharte ein profiliert-potentes Team zusammen, um Lotte R. zu würdigen. Nicht als (Trick-)Film, sondern als Live-Performance.
Der griffige Text von Rike Reiniger aus der Familie der Künstlerin, zeitweise selbst mit der Schwesternkunst Puppenspiel unterwegs, behandelt Episoden und Reflexionen wie Begegnungen mit der Macht: Die Arbeit der Lotte R. wurde teils von Obernazis brachial abgelehnt, vereinzelt aber auch geschätzt. Auch wenn Lotte und Ehemann Karl Koch nicht im engeren Sinn emigrierten, als sie nach England ging, abgestoßen von der deutschen Judenverfolgung, wurde hier eine Kontinuität gestört - von Autorin und Regie aber nicht undifferenziert als Opfertum dargestellt.
Insgesamt bleibt der engagierte Abend etwas unschlüssig, zwischem Vortrag ("Lecture performance"), belebtem Dia-Abend und szenischer Lesung. Etwas Trickfilm, sowohl historisch von Lotte R. als auch heutig von Katrin R. hätten nicht geschadet.
Nur 34 Zuschauer auf den ca. 140 Schaubuden-Plätzen am Freitag, nach 104 am Premieren-Vortag, schauen und hören andächtig zu. Hat das geringe Interesse nur mit schönem Wetter (61 Reservierungen) oder vielleicht doch etwas mit der Programmpolitik des Hauses zu tun, mit unentwegt Randbereichen des Puppenspiels, wo an sich Interessantes durch Häufung uninteressant wird?
Die Illusion, dass der problematische Schaubuden-Umgang mit ungenehmen Stücken, Themen und Künstlern das Publikum abstößt, habe ich allerdings nicht.

 

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Mein PUPPENSPIEL-BASISKURS für Anfänger UND Fortgeschrittene, Quintessenz aus ca. 60 Berufs- und 26 Unterrichtsjahre, geht an die Wurzel

3 Lektionen von je 3 Stunden

1. Sa 13.06. 11 – 14 Uhr 

2. So 14.06. 11 – 14 Uhr 

3. Sa 20.06 14 – 17 Uhr

https://www.puppentheater-museum.de/puppenspiel-basiskurs/

 

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Demnächst folgen hier noch weitere Einträge: Etwas zur Vorstellung des Merlin-Puppentheaters am 31.5. (eine griechischstämmige Formation, die höchst erfolgreich überall in der Welt als Berliner Gruppe spielt - aber fast nie in Berlin, und schon gar nicht in der SCHAUBUDE)

 

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Die Berliner Schauspielerin Swetlana Schönfeld ist kürzlich 74jährig verstorben. Wir waren in Parallelklassen an der Schauspielschule und konnten uns flüchtig – aber ich wußte nichts über ihre Kindheit in Sibirien. Hier ein höchst interessantes Interview von 2019 - Gulag, Stalin, Neue Zeit: 
https://www.deutschlandfunkkultur.de/schauspielerin-swetlana-schoenfeld-dlf-kultur-900f577f-100.html?fbclid=IwY2xjawSGPaRleHRuA2FlbQIxMABicmlkETFG SDNHY3pQMnBwbGZYd1VNc3J0YwZhcHBfaWQQMjIyMDM5MTc4ODIwMDg5MgABHvNpGUNjqd-cJ g-s0CtntXi8bHJWeZSHGpp6ImXDV1RFIkSxFncLtiM8IteW_aem_zzaOvR51kFbQIXZOz279Bg

 

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Merlin-Puppentheater als Festivalgast im GRASHÜPFER

(1.6.26) Kann ein Puppentheaterstück ganz ohne Worte junge und erwachsene Zuschauer gleichsam begeistern?
Dem Duo vom Merlin Puppet Theater gelingt dies jedenfalls mühelos mit The Girl with the little Koffer.
Ein mutiges Mädchen meistert dabei in 5 Kapiteln verschiedene zum Teil bedrohliche und beängstigende Situationen,
doch es darf auch viel gelacht werden.
In der ersten Episode geht es um die Angst beim Einschlafen, wenn es dunkel im Zimmer ist und villeicht gruselige Gestalten
lauern. Die unheimliche Spannung wird dabei vor allem durch lauten grollenden Bassound vom PC erzeugt, ein Klangteppich, 
der auch in Horrorfilmen genutzt wird. Doch das tapfere kleine Mädchen weiß sich zu helfen und kann am Ende friedlich einschlafen.
Die zweite Szene handelt von Kennenlernen und Freundschaft. In einem weiteren Kapitel spielt aggressives Verhalten eine Rolle,
dargestellt durch die Hand des Puppenspielers, die den Störenfried ausdrucksstark verkörpert. Am Ende braucht es ausgerechnet der scheinbar stärkeren Hilfe, als er durch lauter Übermut verletzt und weinend am Boden liegt. Zum Glück hat das Mädchen ein Pflaster in ihrem Koffer und hilft.
Ganz zum Schluss gerät die kleine Heldin noch in einem heftigen Wintersturm, der sie samt Regenschirm hinwegfegt, bis zum Mond.
Das erinnert tatsächlich ein bisschen an den fliegenden Robert aus dem Struwwelpeter, genauso wie die böse Mackerhand an Friederich den Wüterich denken lässt. Aber ansonsten ist das Stück durchaus auf der Höhe unserer Zeit, da wird natürlich das Handy genutzt, um zu chatten und zum Selfie zu posten, da guckt das Mädchen zusammen mit ihrem neuen Freund auf dem Laptop
ein Video über Krieg an, vielleicht kommt er aus einem Krisengebiet. Die Kampfszenen werden sehr eindrucksvoll im Hintergrund als
Schattenspiel dargestellt und wieder mit lautem Soundteppich unterlegt.
Während der knapp 50-minütigen Vorstellung kam keinerlei Langeweile bei dem kleinen Publikum auf und es ging auch nur ein Kind mit seiner Mutter raus, weil es zu unheimlich wurde. Ein Mädchen in der Reihe vor mir hatte da einen Trick, wenn die Handlung zu spannend war, hielt sie einfach Händchen mit ihrer Oma.
Alles in allem eine sehr empfehlenswerte Inszenierung mit Situationen, die die Kinder gut nachempfinden konnten, spannende,
Lustige und ruhige poetische Momente waren in einem ausgewogenen Verhältnis zu erleben.
Groß war deshalb auch der Applaus für den Spieler und die Puppenspielerin vom Merlin Puppet Theatre, im trotz schönen Sommerwetters vollbesetzten Theater Grashüpfer.
 
Richard Rubner
(häufiger Puppentheaterzuschauer)